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Tipps gegen Kostenfallen bei Versicherungen und Finanzprodukten

  • Autorenbild: VFWA
    VFWA
  • 12. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Tipps gegen Kostenfallen bei Versicherungen und Finanzprodukten
Tipps gegen Kostenfallen bei Versicherungen und Finanzprodukten

Ob Haushaltsversicherung, Lebens­versicherung, Kredit oder Ratenkauf: Mit ein paar gezielten Checks verhindern Sie teure Überraschungen – und sichern sich Ihre Rechte. Hier finden Sie praxisnahe Tipps speziell für Österreich – in klaren Schritten, mit Hinweisen auf Fristen und Anlaufstellen.


Wichtig: Wir erstellen unsere Blogbeiträge sorgfältig und teilweise mit Unterstützung unserer Experten. Dennoch können wir keine Haftung für die hier zur Verfügung gestellten Informationen übernehmen. Bitte holen Sie stets den Rat eines Rechtsanwalts ein, wenn Sie ein konkretes rechtliches Problem haben. Gerne können wir kompetente Rechtsanwälte empfehlen. Kontaktieren Sie uns über unser Kontaktformular oder per E-Mail: info@vfwa.at


1. Vor dem Abschluss: Bedarf klären – dann vergleichen


  • Brauchen Sie das Produkt wirklich? Nutzen Sie Checklisten und unabhängige Tests (z. B. AK/VKI), um Pflicht-, Sinnvoll- und Nice-to-have-Absicherung zu unterscheiden.

  • Vergleichen Sie Gesamt­kosten statt nur „Monatsraten“. Bei Krediten zählt der effektive Jahreszins (APR) und sämtliche Gebühren; bei Versicherungen die Prämie inkl. Zuschläge, Selbstbehalte und Ausschlüsse. (Vor Vertragsabschluss müssen Kreditgeber standardisierte Infoformulare aushändigen – SECCI für Verbraucherkredite, ESIS für Wohnimmokredite – ideal zum Vergleichen.)

  • Zahlweise prüfen: Monats- oder Quartalszahlung ist bequem, kostet aber oft einen Unterjährigkeitszuschlag. Rechnen Sie gegen, ob jährliche Zahlung günstiger ist (VKI-Rechner).


2. Kleingedrucktes, das häufig Geld kostet


  • Selbstbehalt & Deckungslücken: Achten Sie auf grobe Fahrlässigkeit, Wartezeiten (z. B. Rechtsschutz, Zahn), Ausschlüsse (Wertsachen, Nebenrisiken).

  • Dynamik/Indexierung: In manchen Verträgen steigen Prämien und Versicherungssummen automatisch – das kann sinnvoll sein, wird aber teuer. Lassen Sie sich die Mechanik in Euro pro Jahr vorrechnen.

  • Gebühren rund um die Zahlung: Rücklastschriften (z. B. wegen Kontoüberziehung) lösen bei Bank und Versicherung Zusatzspesen aus – vermeiden Sie Minusbeträge oder richten Sie rechtzeitig an.


3. Spezielle Warnlampen


  • Restschuld-/Kreditversicherungen: Schutz kann sinnvoll sein, ist aber oft teuer oder befristet leistungsschwach. Vergleichen Sie Prämien und Leistungen kritisch; Zusatztarife (Arbeitslosigkeit, schwere Krankheit) verteuern stark. Unabhängige Stellen haben hier wiederholt Probleme beanstandet.

  • Fondsgebundene Lebensversicherungen: Lange Bindung, Storno- und Verwaltungskosten; ein vorzeitiger Ausstieg ist häufig verlustreich. Prüfen Sie Alternativen (Prämienpause, Reduktion) statt Kündigung überstürzt.

  • „Beratung“ ist nicht immer unabhängig: Fragen Sie aktiv, ob der/die Vermittler:in gebunden, ungebunden oder unabhängig ist und wie er/sie bezahlt wird – das muss offengelegt werden. Notieren Sie Namen, Status und Kernaussagen im Beratungsprotokoll.


4. Ihre wichtigsten Rücktritts- und Kündigungsrechte (Fristen!)


Versicherungen (VersVG § 5c):

  • 14 Tage allgemeines Rücktrittsrecht, 30 Tage bei Lebensversicherungen. Die Frist läuft erst, wenn Sie die erforderlichen Informationen erhalten haben. Achtung: Absendung innerhalb der Frist genügt (am besten eingeschrieben).


Konsum-/Verbraucherkredite (VKrG):

  • 14 Tage Rücktritt ab Vertragsabschluss bzw. ab Zugang aller Unterlagen/Rücktrittsbelehrung; Rückzahlung der Valuta inkl. bis dahin aufgelaufener Zinsen binnen 30 Tagen.


Wohnimmobilien-/Hypothekarkredite (HIKrG):

  • Kein allgemeines 14-Tage-Widerruf, sondern ein enges, zweitägiges Rücktrittsrecht, wenn Sie den Vertrag abgegeben haben, ohne mindestens zwei Werktage zuvor das ESIS-Merkblatt erhalten zu haben oder wenn Sie binnen zwei Werktagen nach ESIS-Erhalt unterschrieben haben.


Tipp zur Form: Rücktritt immer schriftlich erklären (eingeschriebener Brief oder anderer „dauerhafter Datenträger“) und Kopien/Einlieferungsbelege aufbewahren.


5. So verhandeln Sie smarter – und sparen real Geld


  • Selbstbehalt als Hebel: Erhöhen Sie – falls finanziell verkraftbar – maßvoll den Selbstbehalt und senken Sie so die Prämie.

  • Bündeln? Nur mit Einzelpreis! Kombiangebote (z. B. Haushalt + Rechtsschutz) nur nehmen, wenn jedes Modul im Einzelvergleich überzeugt.

  • Bankgebühren & Zusatzkosten hinterfragen: OGH-Entscheidungen haben wiederholt unzulässige Gebühren in Kreditverträgen kassiert – unklare „Bearbeitungsgebühren“ nicht einfach akzeptieren.

  • Zahlmoral verbessert Konditionen: Gute Sicherheiten und solide Bonität verschaffen Spielraum bei Zinsen und Spesen – und ersparen teure Nebenabreden.


6. Im Leistungs- oder Schadensfall: Geld nicht liegen lassen


  • Fristen und Obliegenheiten einhalten: Schaden rasch melden, Belege sammeln, Weisungen beachten.

  • Ablehnung prüfen lassen: Unklare Klauseln, überraschende Ausschlüsse oder intransparente Kosten können angreifbar sein – Verbrauchervereine oder Rechtsberatung einbinden.


7. Ihre To-do-Liste vor Unterschrift (und zum Nachschauen)


  1. Bedarf prüfen (Pflicht vs. Kür) – unabhängige Checklisten/Tests nutzen.

  2. Standardinfos einfordern: SECCI (Verbraucherkredit) bzw. ESIS (Immokredit) – und in Ruhe vergleichen.

  3. Gesamtkosten kalkulieren: Effektivzins, Nebenkosten, Unterjährigkeitszuschlag, Selbstbehalt.

  4. Vermittlerstatus & Vergütung schriftlich geben lassen.

  5. Rücktrittsrechte & Fristen notieren (Versicherung 14/30 Tage; Verbraucherkredit 14 Tage; Immokredit Sonderfall 2 Tage).

  6. Zahlweisen & Mahnspesen checken (Rücklastschrift vermeiden).


8. Wenn’s klemmt: Diese Stellen helfen


  • Arbeiterkammer (AK) – Beratung, Musterbriefe, Tools (z. B. Online-Kündigung, Ratgeber).

  • Verbrauchervereine – Tests, Sammelaktionen, Rechtsdurchsetzung.

  • FMA – Verbraucherinfos zu Krediten und Warnhinweise.

  • oesterreich.gv.at – offizielle Infos zu Rechten & Fristen bei Kreditverträgen.


Fazit

Wenn Sie vor Unterschrift strukturierte Checks machen, standardisierte Infos einfordern und Fristen konsequent nutzen, schrumpft das Risiko teurer Kostenfallen dramatisch. Und falls doch etwas schiefgeht: Schriftlich reklamieren, Fristen wahren, Hilfe holen – Sie müssen Mehrkosten nicht einfach hinnehmen.


Sollten Sie ein konkretes Problem haben, das sie nicht einvernehmlich lösen konnten, melden Sie sich gerne bei uns - wir können Ihnen hilfreiche Tipps für Ihren Fall geben und (wenn erforderlich) kompetente Rechtsberatung vermitteln.

 
 
 

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