Abofallen & versteckte Kosten: Erkennen, vermeiden, Zahlungen zurückholen
- VFWA

- 29. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit

„Gratis testen“, „nur Versandkosten“ oder ein harmloser Klick in einer App – und plötzlich kommen monatliche Abbuchungen: Abofallen und versteckte Kosten sind leider immer noch ein Thema. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie solche Fallen funktionieren, woran sie erkennbar sind, welche Rechte Sie in Österreich haben und wie Sie sich Schritt für Schritt wehren kannst.
Wichtig: Wir erstellen unsere Blogbeiträge sorgfältig und teilweise mit Unterstützung unserer Experten. Dennoch können wir keine Haftung für die hier zur Verfügung gestellten Informationen übernehmen. Bitte holen Sie stets den Rat eines Rechtsanwalts ein, wenn Sie ein konkretes Problem haben. Gerne können wir kompetente Rechtsanwälte empfehlen. Kontaktieren Sie uns über unser Kontaktformular oder per E-Mail: info@vfwa.at
1. Was gilt als Abofalle - und wo lauert sie?
Als Abofalle bezeichnet man Angebote, die mit kostenlosen oder sehr günstigen Leistungen locken, in Wahrheit aber zu laufenden Zahlungen führen. Häufige Beispiele:
„Gratis“-Registrierungen auf Webseiten oder in Apps, die sich heimlich in Abos verwandeln.
Testabos von Streaming‑, PDF‑ oder Sicherheits‑Tools, die automatisch verlängert werden.
Kostenpflichtige Mehrwert‑ oder Partnerdienste am Handy (z. B. SMS‑Dienste, Web‑Billing).
Gewinnspiele, Lieferstatus‑Mails oder Pop‑ups, die persönliche Daten abgreifen und Abos auslösen.
2. Sieben rote Flaggen - so erkennen Sie Kostenfallen
Unklare oder versteckte Preisangaben („ab 0,99 €*“ mit Sternchen im Kleingedruckten).
Voreingestellte Häkchen für Zusatzleistungen (z. B. Versicherungen, Spenden, „VIP‑Service“).
Zeitdruck: auffällige Countdown‑Timer, „nur heute“-Angebote.
Unklare Kündigungsinformationen oder keine einfache Kündigungsmöglichkeit.
Unübliche Zahlungswege (z. B. „Bezahlen über Handyrechnung“ ohne Nachfrage).
Bestellbutton ohne klaren Hinweis auf eine Zahlungsverpflichtung.
Aggressive Nachfass‑Mails, Drohungen mit Inkasso oder Klage unmittelbar nach der Anmeldung.
3. Ihre Rechte in Österreich - kurz & knackig
14 Tage-Rücktritt bei Fernabsatz:
Bei Online-Abschlüssen (Fernabsatz) können Sie grundsätzlich binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurücktreten. Die Frist beginnt meist mit Vertragsabschluss (Dienstleistung) bzw. Lieferung (Ware).
„Button‑Lösung“:
Der Bestellknopf muss klar erkennen lassen, dass eine Zahlungspflicht entsteht (z. B. „zahlungspflichtig bestellen“). Fehlt dieser Hinweis, ist der Vertrag in der Regel nicht wirksam – Sie müssen dann nicht zahlen.
Handy‑Mehrwertdienste stoppen:
Bei SMS‑Abos und Web‑Billing können Sie den Dienst in vielen Fällen per SMS mit „STOP“ beenden und bei deinem Netzbetreiber eine Sperre für Mehrwert‑/Drittanbieterdienste einrichten lassen.
Rückzahlung bei Rücktritt:
Treten Sie fristgerecht zurück, muss der Anbieter binnen 14 Tagen erstatten – inkl. Standard‑Lieferkosten.
4. SOS‑Plan: Wenn Sie in eine Abofalle getappt sind
Beweise sichern: Screenshots der Webseite/App, AGB, Preisangaben, Bestellbestätigung, SMS/E‑Mails.
Sofort widerrufen/kündigen: Per E‑Mail (oder Formular) – wichtig ist der Nachweis. Nutzen Sie die Vorlage unten.
Zahlung stoppen: Bei Kreditkarte/Lastschrift Chargeback bzw. Rückbuchung anstoßen; bei Handyrechnung Einspruch beim Anbieter.
Nicht einschüchtern lassen: Viele Droh‑Mails/Inkasso‑Androhungen sind bluff. Nur auf echte Mahn‑ oder Klagsdokumente reagieren. Nehmen Sie rechtliche Hilfe in Anspruch.
Mehrwert‑/Drittanbieter sperren lassen: Beim Mobilfunkanbieter Sperre einrichten; SMS‑Abo per „STOP“ kündigen.
Hilfe holen: Zum Beispiel Internet‑Ombudsstelle, Regulator (RTR) oder Rechtsanwälte kontaktieren.
5. Mustertext: Widerruf/Kündigung
Betreff: Widerruf/Kündigung meines Vertrages
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit widerrufe/kündige ich den am [Datum] geschlossenen Vertrag über [Bezeichnung des Dienstes] fristgerecht. Ich fordere Sie auf, sämtliche Abbuchungen zu stoppen und mir bereits geleistete Zahlungen innerhalb von 14 Tagen zu erstatten. Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieses Schreibens sowie die Vertragsbeendigung schriftlich.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]
[Adresse]
[E‑Mail]
6. Prävention: Abofallen und versteckte Kosten vermeiden
Nutzen Sie virtuelle Einweg‑Karten oder Payment‑Aliase für Testabos.
Deaktivieren Sie – wo möglich – „Bezahlen via Handyrechnung“ bzw. richten Sie eine Drittanbietersperre ein.
Lese den Bestellbutton und die Preisübersicht genau – kein klarer Hinweis, kein Klick.
Vermeiden Sie voreingestellte Zusatzleistungen; entfernen Sie Häkchen aktiv.
Nutzen Sie Warn‑Apps/Portale, die vor aktuellen Fallen warnen (z. B. Watchlist Internet).
Verwalten Sie Kündigungsfristen mit Erinnerungen – besonders bei Testabos.
7. Anlaufstellen & Hilfe
Internet‑Ombudsstelle (Schlichtung, Infos)
RTR Konsumentenservice (Telekommunikation/Handyrechnung)
Verbrauchervereine - wie der VFWA (kontaktiere uns hier oder unter info@vfwa.at)
Rechtsanwälte
Wenn Sie in eine Abo- oder Kostenfalle tappen und ihr Vertragspartner eine Rückzahlung verweigert, scheuen Sie nicht davor zurück rechtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unseriöse Anbieter rechnen damit, dass sich Konsumenten einschüchtern lassen. Oft kann dann schon ein Rechtsanwaltsbrief das Problem schnell und günstig lösen.
Gerne geben wir Ihnen nützliche Tipps zu ihrem Fall oder können Ihnen einen kompetenten Vertrauensanwalt empfehlen.
8. Fazit
Abofallen leben von Intransparenz, Zeitdruck und Nachlässigkeit – mit einem wachen Blick auf Preise, Buttons und Kündigungswege und dem Wissen um deine Rechte sind Sie gut gewappnet. Kommt es doch zum Ernstfall, gilt: rasch widersprechen, Zahlungen stoppen, Hilfe holen – und konsequent dokumentieren.
Wenn Sie Probleme mit Abo- oder Kostenfallen haben, die sich nicht einvernehmlich klären lassen, nehmen Sie rechtliche Beratung in Anspruch. Melden Sie sich gerne bei uns (info@vfwa.at) – wir können Ihnen hilfreiche Tipps für Ihren Fall geben und (wenn erforderlich) kompetente Rechtsberatung vermitteln.




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