Widerrufsrecht beim Onlineshopping in Österreich - Ihre Rechte und wie Sie diese durchsetzen können
- VFWA

- 6. Juli 2025
- 4 Min. Lesezeit

Das Einkaufen im Internet ist für viele Verbraucher kaum mehr wegzudenken. Ob Kleidung, Elektronik, Möbel oder Lebensmittel – der Onlinehandel bietet Bequemlichkeit und eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten. Doch mit dieser Bequemlichkeit kommen auch bestimmte Rechte, die Sie als Verbraucher in Österreich schützen. Besonders das Widerrufsrecht ist für Online-Käufe eine zentrale Schutzmaßnahme, die es ermöglicht, innerhalb einer bestimmten Frist vom Vertrag zurückzutreten, wenn Sie mit dem Produkt oder der Dienstleistung unzufrieden sind. In diesem Beitrag erfahren Sie, was das österreichische Widerrufsrecht genau beinhaltet, wie Sie es geltend machen können, und worauf Sie dabei achten sollten.
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1. Was ist das Widerrufsrecht?
Das Widerrufsrecht ist ein gesetzlich garantiertes Recht, das Konsumenten in Österreich bei Online- und Fernabsatzgeschäften zusteht. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, einen Vertrag innerhalb einer bestimmten Frist ohne Angabe von Gründen zu widerrufen – also rückgängig zu machen. Dieses Recht ist im Konsumentenschutzgesetz (KSchG) sowie in europäischem Recht geregelt, insbesondere in der europäischen Fernabsatzrichtlinie.
2. Geltungsbereich des Widerrufsrechts in Österreich
Das Widerrufsrecht gilt grundsätzlich für Verträge, die zwischen einem Unternehmer (Verkäufer) und einem Verbraucher (Käufer) abgeschlossen werden, wenn der Vertrag im Fernabsatz oder außerhalb von Geschäftsräumen zustande kam.
Für typische Online-Shopping-Transaktionen bedeutet das:
Der Kauf erfolgt über einen Online-Shop, per E-Mail oder Telefon, aber nicht persönlich im Geschäft.
Es handelt sich um Konsumentscheidungen, also um Verträge, bei denen Sie als Privatperson kaufen und keine gewerblichen Händler sind.
Ausgenommen vom Widerrufsrecht sind unter anderem:
Verträge zur Lieferung von Waren, die schnell verderben können.
Produkte, die nach Kundenspezifikation angefertigt wurden oder eindeutig auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Versiegelte Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind, wenn die Versiegelung entfernt wurde.
Dienstleistungen, wenn diese vollständig erbracht wurden und Sie vorher ausdrücklich zugestimmt haben, dass der Unternehmer mit der Ausführung vor Ablauf der Widerrufsfrist beginnen darf.
3. Die Frist: Wie lange können Sie widerrufen?
In Österreich haben Verbraucher in der Regel 14 Tage Zeit, um einen Fernabsatzvertrag zu widerrufen. Diese Frist beginnt:
Am Tag des Vertragsschlusses (also meist der Tag der Bestellung),
bei Vertragserfüllung mit Lieferung der Waren am Tag, an dem Sie oder ein von Ihnen benannter Dritter die Ware in Besitz genommen haben.
Wenn Sie bei der Bestellung keine ausdrückliche Zustimmung gegeben haben, dass mit der Ausführung schon vor Ablauf der Frist begonnen wird, läuft die Frist ab Vertragsschluss.
4. Das Widerrufsrecht formell ausüben
Damit der Widerruf wirksam ist, müssen Sie den Händler darüber informieren, dass Sie den Vertrag widerrufen möchten. Folgende Schritte sind üblich:
Widerrufserklärung verfassen: Das kann formlos per E-Mail, Brief oder mittels eines vorgefertigten Musterschreibens erfolgen. Wichtig ist, dass Sie eindeutig den Widerruf erklären und Ihre Vertragsdaten angeben (Name, Adresse, Bestellnummer, Datum).
Frist einhalten: Der Widerruf muss innerhalb der 14-Tage-Frist erfolgen.
Beweis sichern: Bewahren Sie eine Kopie der Widerrufserklärung sowie Nachweise über den Versand auf (z.B. Einschreiben, E-Mail-Bestätigung).
5. Was passiert nach dem Widerruf?
Sobald Sie den Widerruf beim Händler erklärt haben, besteht die Pflicht des Unternehmers darin, alle Zahlungen, die Sie geleistet haben, einschließlich der Versandkosten (mit Ausnahme zusätzlicher Kosten, die durch eine spezielle Wahl Ihrerseits entstanden sind), umgehend, spätestens binnen 14 Tagen zu erstatten.
Gleichzeitig sind Sie verpflichtet, die Ware unverzüglich, spätestens binnen 14 Tagen nach Widerruf, an den Händler zurückzugeben oder zu übergeben. Falls die Ware beschädigt oder benutzt wurde, kann der Händler unter Umständen Schadensersatz verlangen.
6. Rückgabe der Ware und Kosten
In der Regel trägt der Verbraucher die Kosten für die Rücksendung, es sei denn, der Händler hat sich bereit erklärt, diese Kosten zu übernehmen oder hat den Verbraucher nicht ordnungsgemäß über diese Verpflichtung informiert.
7. Was tun, wenn der Händler sich weigert?
Wenn der Händler sich weigert, den Widerruf anzuerkennen oder die Rückzahlung zu leisten, sollten Sie zunächst alle Nachweise sammeln, beispielsweise Kopien der Widerrufserklärung, Versandnachweise und Korrespondenz.
Anschließend können Sie:
Rechtliche Schritte erwägen: Wenn der Händler sich weigert, können Sie einen Anwalt beauftragen, eine schriftliche Mahnung an den Verkäufer zu senden und wenn sich der Verkäufer weiterhin weigert, eine Klage einbringen. Fragen Sie den Anwalt vorweg über die Erfolgsaussichten und mögliche Kosten, damit Sie einschätzen können, ob sich der Rechtsweg in Ihrem Fall auszahlt.
Verbraucherverein kontaktieren: Ein Verbraucherverein, wie der VFWA, kann Ihnen hilfreiche Tipps geben und wenn erforderlich Rechtsberatung vermitteln. Unter Umständen entscheidet sich der Verbraucherverein auch dazu, selbst gegen den Verkäufer vorzugehen.
Schlichtungsstellen einschalten: Je nach Branche gibt es spezielle Schlichtungsstellen, die bei Streitigkeiten temporär vermitteln können.
Zusammenfassung
Wenn Sie im Internet einkaufen, haben Sie in den meisten Fällen ein Widerrufsrecht. Sie können also innerhalb von 14 Tagen vom Vertrag zurücktreten. Der Verkäufer muss Ihnen den Kaufpreis erstatten und Sie senden die Ware zurück.
Wichtig ist, dass die Frist einhalten und den Vorgang vollständig dokumentieren. Speichern Sie Bestellbestätigung, Versandbestätigung und das von Ihnen gesendete Widerrufschreiben (E-Mail oder Musterformular). Mit dieser Dokumentation können Sie Ihre Rechte durchsetzen, auch wenn sich der Verkäufer zunächst weigern sollte, die Zahlung zu erstatten. Nehmen Sie in dem Fall rechtliche Beratung in Anspruch. Melden Sie sich gerne bei uns - wir können Ihnen hilfreiche Tipps für Ihren Fall geben und (wenn erforderlich) kompetente Rechtsberatung vermitteln.




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